BG/BRG Freistadt


Tief erschüttert geben wir bekannt, dass unser hochgeschätzter Herr Direktor Dr. Franz Rührnößl am 19. September 2020 völlig unerwartet von uns gegangen ist.

Folgenden Nachruf möchten wir ihm widmen:

Franz Rührnößl wurde 1959 geboren und wuchs als Landwirts- und Bürgermeistersohn in St. Leonhard bei Freistadt auf.

Nach der Volksschule besuchte er kurze Zeit die Hauptschule in St. Leonhard, bevor er ins Gymnasium Freistadt wechselte. Nach der mit Auszeichnung bestandenen Reifeprüfung 1978 studierte er an der Paris-Lodron-Universität Salzburg die Fächer Germanistik und Anglistik im Lehramt. Auch das Studium schloss er 1983 mit Auszeichnung ab.

1983 wurde er zum Probejahr ins BG/BRG Freistadt zugelassen. Im darauffolgenden Jahr bekam er die ersten Vertretungsstunden. Zusätzlich zu den Fächern Deutsch und Englisch unterrichtete er auch Maschineschreiben, Stenographie und nach seiner Lehrwart-Ausbildung für Faustball auch die unverbindliche Übung Faustball. Außerdem war er an der Schule als Bibliothekar tätig und war als solcher wesentlich am Ausbau der Schulbibliothek beteiligt. Auch bei Schikursen kam er zum Einsatz, denn auch die Ausbildung zum Schikursbegleitlehrer hatte er absolviert.

1990 promovierte er sub auspiciis praesidentis an der Paris-Lodron-Universität Salzburg zum Doktor der Philosophie.

1993 wurde Franz Rührnößl als Lehrer im Gymnasium Freistadt pragmatisiert.

Die Lehrtätigkeit an der Schule ergänzte er ab 1994/95 bis zuletzt durch regelmäßige Lehraufträge an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich, wobei seine Spezialgebiete vor allem in der Literatur- und Leseerziehung sowie Deutsch als Zweitsprache lag.

Für seine  Verdienste im Schulwesen wurde ihm mehrmals „Dank und Anerkennung“ vom Bundesministerium für Unterricht und Bildung ausgesprochen, und seit 2010 durfte er den Berufstitel „Oberstudienrat“ führen.

2011 wurde Franz Rührnößl Direktor des BG/BRG Freistadt. Im Zuge seiner Amtszeit hat die Schule wesentliche Entwicklungsschritte gemacht. Die digitale Ausstattung wurde auf Vordermann gebracht, pädagogische Konzepte wurden überdacht und stets den gegebenen Erfordernissen (neue Reifeprüfung, Vorwissenschaftliche Arbeit, …) angeglichen. Die Schülerzahlen geben ihm recht: Sie erreichten mit heurigem Herbst einen nie dagewesenen Höchststand.

Gegen pädagogischen Stillstand verwehrte er sich überhaupt Zeit seines Wirkens. Durch ständiges Studium der aktuellen Fachliteratur und Fortbildungen sowie persönliche Weiterentwicklung auf allen Ebenen war er immer bereit, die neuesten Erkenntnisse im pädagogischen, fachdidaktischen, aber auch im Management-Bereich in die Tat umzusetzen und so die Schulentwicklung voranzutreiben.

Nicht immer gelang es ihm auf Anhieb, alle Schulpartner von diesem Fortschrittsglauben zu überzeugen, und er war durchaus bereit, Konflikte zugunsten von höheren Zielen durchzustehen. Doch durch seinen wertschätzenden Umgang konnten sachliche Auseinandersetzungen letztendlich stets von der persönlichen Ebene getrennt werden und fanden immer wieder zu einem versöhnlichen Ende.

Sein Engagement für die Schule widmete  er aber nicht nur den Auszubildenden, sondern auch der Interessensvertretung. Mehr als 20 Jahre lang war er ehrenamtlich in der Standesvertretung tätig und übte Funktionen der Personalvertretung, des GBA (gewerkschaftlicher Betriebsausschuss) auf Schulebene aus, auf Landesebene erfüllte er viele Jahre die Agenden des Besoldungsreferenten. Zweimal leitete er den oberösterreichischen Landeswahlausschuss bei Gewerkschafts- und Personalvertretungswahlen. All seine Aufgaben erledigte er mit größter Akribie und höchstem Pflichtbewusstsein. Die dienst- und besoldungsrechtlichen Anliegen der AHS-Lehrerinnen waren ihm immer ein persönliches Anliegen.

Seit 2017 übte er auch auf der Ebene der oberösterreichischen AHS-Direktorenkonferenz die Funktion des Vorsitzenden und Sprechers aus. Als Sprachrohr in Richtung Bundesministerium setzte er sich auch dort für die Interessen und Probleme  seiner Kolleginnen und Kollegen sowie insgesamt für das allgemeinbildende Schulwesen, sein größtes Herzensanliegen, ein.

Wer diese Vita bis hierhin gelesen hat, kennt jedoch nur den halben Franz Rührnößl. Seine Leistungsbereitschaft, seine Strebsamkeit und sein Pflichtbewusstsein in allen Belangen hinderten ihn nicht daran, auch Mensch zu sein. Als Gesprächspartner abseits der Amtsgeschäfte war er recht launig, humorvoll und gesellig. Den Zusammenhalt im Lehrerkollegium stärkte er durch das eine oder andere Fest in der Leonharder „Oaschicht“, das er als Gastgeber gerne organisierte.

Auch in der Schule war er niemals nur „Chef“, sondern die mitmenschlichen Werte waren ihm ein persönliches Anliegen. Als Direktor hatte er seine Tür stets für jedermann offen. Probleme von Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern konnten jederzeit an ihn herangetragen werden, und er brachte vielen Menschen in persönlichen oder schulischen Krisen sein Verständnis entgegen.

 „Wir schaffen das!“,  war in schwierigen Situationen stets sein aufmunternder Ausspruch.

„Wir schaffen das“,  soll auch jetzt seine Aufforderung an uns als Schulgemeinschaft des Gymnasiums Freistadt sein, in dieser schwierigen Zeit an einem Strang zu ziehen, zusammenzuhalten und ganz in seinem Sinne unser Bestes für die Schule zu geben!

Das Ableben von Dir. Franz Rührnößl  verursacht eine unglaublich große Lücke an unserer Schule. Er wird uns immer in bester Erinnerung bleiben!

Requiescat in pace!

Der Trauerfamilie drücken wir unser aufrichtiges Beileid aus. Die gesamte Schulgemeinschaft ist in Gedanken bei Euch!

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Nachruf auf Dir. Dr. Franz Rührnößl

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